Der Erdkinderplan.

Förderung von Selbstständigkeit und sozialer Unabhängigkeit.

150 Jahre Maria Montessori

Erdkinderplan nach Maria Montessori

Der 1920 von Maria Montessori entwickelte Erdkinderplan diente der Reform der Sekundarstufe. Er fällt in ein Alter (7./8. Klasse) in der sich Kinder, die bisher als Teil der Familie lebten, mental zu Erwachsenen weiterentwickeln die als Teil der Gesellschaft leben müssen. Das Bedürfnis, den eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden, steht an erster Stelle. Der Erdkinderplan als "Erfahrungsschule des sozialen Lebens" soll die Selbstständigkeit und die soziale Unabhängigkeit der jungen Heranwachsenden stärken. Es geht um eine Suche nach Orientierung und Halt. Da der Erdkinderplan in einer von Landwirtschaft geprägten Zeit entwickelt wurde und Montessori davon ausging, dass die Jugendlichen durch ihre Arbeit auf dem Land und mit der Erde von den Ursprüngen her in ihre Kultur eindringen, sprach Montessori von "Erdkindern". Entscheidend ist die Vermittlung der Realität des Lebens auf der Basis sozialer Grunderfahrungen.

„Die besten Methoden sind diejenigen,

die beim Schüler ein Maximum an Interesse hervorrufen, die ihm die Möglichkeit geben, allein zu arbeiten, selbst seine Erfahrungen zu machen und die erlauben, die Studien mit dem praktischen Leben abzuwechseln.“

Unsere Erdkinderplanbeauftragte Karin

Karin Klüpfel

Ich bin Montessori-Fachlehrerin an der Montessori-Schule, weil der Fokus meines Arbeitsprofiles darauf ausgerichtet ist, in einem offenen und partnerschaftlichen Umgang mit den Jugendlichen auf Augenhöhe zu treten und sie in der Umsetzung ihrer Ideen zu unterstützen.

An der Montessori-Pädagogik schätze ich vor allem ihren ganzheitlichen Ansatz, die jedem Kind die Chance gibt, auf unterschiedliche Weise Selbständigkeit durch Selbsttätigkeit zu erlangen („Hilf mir, es selbst zu tun“). Das ist im Hinblick auf die Schule und später im Beruf von zentraler Bedeutung.

Das Erdkinderplangelände in Margetshöchheim

UMSETZUNG NACH DEN IDEEN DER SCHÜLER*INNEN

Der Verein hat ein leerstehendes Wohnhaus mit Gartengrundstück in Margetshöchheim angemietet, welches nach den Projekten und Ideen der Schüler*innen ausgestaltet wird. Angedacht ist die Errichtung eines Lernhauses, in dem der Unterricht verschiedener naturwissenschaftlicher Fächer (Mathe, Physik, Biologie, Chemie, aber auch Technik und Soziales) anhand verschiedener In- und Outdoorstationen praktisch erfahrbar gemacht werden soll. Ein Sinnespfad im Garten, eine Miniphänomenta im Innenbereich, Forschungstationen zum Thema Nachhaltigkeit und Upcycling-Projekte sind erste konkrete Ideen.

Lernhaus Montessori

Erdkinderplan-Logbuch

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22. März 2021
Anhand der geltenden Gruppenaufteilung kamen nur Robin und Emilian hier her. Das war super überschaubar und sehr gut, denn am Nachmittag war unser 1. Pflanzworkshop mit der Gemüseackerdemie bzw. unserer Ackercoachin Manuela hier auf dem Gelände, und es gab noch einiges vorzubereiten. Wir schafften Ordnung im Schuppen und während die beiden im großen Raum unten die Bodenleisten anbrachten konnte ich die Pizzaschnecken für den Nachmittag zubereiten. Tolle Einführung auf dem Acker; sehr aufschlussreich und gut vorbereitet. Ja, und seit Dienstag wird hier geackert was das Zeug hält, nur leider zu langsam :-(. Ich wäre gerne heute mit dem Ackern fertig geworden damit der Boden seine drei Wochen bis zur ersten Pflanzung ruhen kann, das ist aber nicht zu schaffen. Die Jugend hat richtig viel, super engagiert und obwohl es wirklich anstrengend ist, mit Spaß gegraben. Gemeinsam mit Karin G. haben sie alles versucht, um wenigstens bis zur Hälfte zu kommen, aber nichts zu machen! Erst sah ich meine Ferien flöten gehen gestern, gäbe es nicht drei Familien, die auf meinen FIB-Aufruf zur Mitarbeit geantwortet hatten und uns in den Ferien nun unterstützen werden. Stefen ein Papa an unserer Schule arbeitet seit 10 Jahren als Landschaftsgärtner und hat mir gestern versichert, dass er den Acker umgraben kann und das gerne macht. Zwei weitere Familien hatten gestern bereits eine Einführung im Umgraben durch mich. Ich darf also freimachen und bin sehr erleichtert und dadurch blieb gestern sogar Zeit für ein kleines Eis. Emilian und Robin haben in dieser Woche die Hochbeete mit dem Wurzelaushub befüllt, Bruchsteine von einen Nachbarsgarten in unseren gebracht und unaufhörlich gearbeitet - großartig.

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17. März 2021
Mittwoch waren dann Christophs Jungs wieder da und sie hatten sofort gemerkt, dass am Vortag so einiges passiert war, und spätestens nach unserem Morgenkreis war klar: Ihr Schontag war vorgestern; ab heute muss manches gerade gerückt und an den Hochbeeten weitergearbeitet werden. Alle hatten reichlich zu tun. Zusätzlich haben Nico und Leonard recherchiert wie man Schiefertafeln bearbeiten und in Form schneiden kann, dann wollen wir sie zur Beet-Beschilderung umfunktionieren. Wir wollten keine Plastikschilder, Holz verwittert zu schnell und die Schiefertafeln vom Schuldach boten sich an. Jonas hat einen ziemlich zugerichteten Schreibtisch, sehr fachmännisch mit Wissen aus seinem Autolackierpraktikum, aufpoliert und dieser kann nun geölt werden.

18. März 2021
Die Mädels kamen kichernd, neugierig und erwartungsfroh an und waren mächtig gespannt, was sie arbeiten dürfen und ob sie wohl putzen müssten ??? Natürlich habe ich sie nicht die Erdklumpen der beiden Vorgruppen wegputzen lassen, sondern wir haben das gute Wetter genutzt um im Freien zu arbeiten. Es wurde Grünzeug und Äste fürs Hochbeet zerkleinert, die Noppenfolie zugeschnitten und festgetackert, das Laub gerecht und gleichzeitig konnte die Freude des regen Austausches ausgelebt werden. Ich finde diese Klasse einfach nur toll, sie sind wunderbar höflich, hilfsbereit und sehr sozial.

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15. März 2021
Der erste Präsenztag war widererwartend unkompliziert. Ich dachte die Jugend wird nicht zu bändigen sein, im Sinne von der Einhaltung der Abstandsregeln sowie die Motivation zur Arbeit. Aber wieder mal falsch gedacht. Es waren sieben Jungs, sie hatten gute Laune, waren interessiert, aufmerksam und ohne Ausnahme wiederzuerkennen :-). Selbstverständlich bin ich davon ausgegangen, dass sie, wie ich, glücklich waren wieder hier in Gemeinschaft im EKP zu sein, um kräftig zu arbeiten, habe aber schnell erkannt, dass ihre Priorität tatsächlich mehr in Richtung sozialer Nähe lag. Diesem Bedürfnis musste ich, obwohl so viel zu tun gewesen wäre, nachgeben und Freiräume für Unterhaltung, einkaufen und Brownies backen geben. Dafür war ich auf dem aktuellen Stand was die Jugend und ihre Befindlichkeiten anging, wo ihre Praktikas stattfanden und wie es war und ich konnte sie ausgiebig über die Gemüseackerei informieren mit allem was auf sie zukommen wird hier draußen.

16. März 2021
Der Tag der 8. Klässler*innen hingegen war das genaue Gegenteil. Energie, Tatendrang, Kraft, Explosion von innen heraus. Wahnsinn! In Sekunden hatten sie mich aus meinem CHILLMODUS -den ich die letzten Wochen gelebt hatte - gerissen. Meine schwachen Erinnerungen an die Zeit vor Weihnachten und wie sportlich ich sonst so unterwegs war hier, waren wieder da!
Die beiden Hochbeetkästen haben ihren Platz gefunden, unsere Riesenwurzel die im Grunde nicht herausgebracht werden kann, wurde dennoch rundum von Erde befreit ... ... und glaubt mir, ich konnte so manches Geschehen nur mit kleinen "Überfordeungslachkrämpfen" kompensieren.
Der Dreck überall war nicht zu übersehen, aber wo gearbeitet wird fallen bekanntlich auch Späne. Gerade diese Ambivalenzen in meinem Arbeitsleben - bedingt durch die vier sehr unterschiedlichen Gruppen - beleben mich und machen die Arbeit und die Dynamiken so interessant.

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18. Januar 2021
Seit Jürgen unsere elektrische Nähmaschine zum Laufen gebracht hat, ist schon einiges genäht worden. Den Startschuß gaben Emma und Jule. Sie haben sich richtig reingefuchst und mit viel Geduld und Ausdauer gestartet. Obwohl die beiden vorher noch nicht wirklich genäht haben und auch ein paar Nähnadeln zu Bruch gegangen sind, schafften sie viele Geschirrtücher zu umsäumen und verfpassten ihnen selbstgemachte Aufhänger. Alles aus alten weißen Stoffen die wir hier noch im Haus gefunden hatten. Auf unserer Näh-To-Do-Liste standen noch Kissenhüllen für das Sofa und Schürzen für die Küche. Priorität hatten die Kochschürzen, denn wir kochen und backen zweimal die Woche und nicht immer denken alle daran ihre Schürze von zu Hause mitzubringen. Karin G. und ich brachten Stoffreste mit und schon haben Ella und Karin eine bzw. fast zwei Schürzen in ihrer EKP-Woche geschafft. Sie sind sehr gelungen und schön, wie ich finde. Wir könnten sozusagen in Produktion gehen :-). Falls jemand eine bestellen möchte, nur zu! Stoff liefern und wir nähen.
Ich möchte einen kleinen Exkurs machen, weg von der Jugend hin zu deren Eltern. Mein FIB -Aufruf mit der Bitte um Staudenspenden und Elternstunden Mitarbeit hier im EKP hat eine für mich kaum zu bewältigende Flut an Rückmeldungen hervorgerufen. Die Rahmenbedingen zum Arbeiten vor Ort waren etwas erschwert, denn es durften nur zwei Haushalte gleichzeitig auf dem Gelände zugange sein. So organisierte ich eine vorherige Begehung mit einer Person oder erklärte einfach per Telefon wo was gemacht werden kann, so dass ohne meine Anwesenheit in Eigenregie gearbeitet wurde. Wir alle haben dies super koordiniert bekommen und ich war/bin wahnsinnig herzerfreut über das Engagement von euch lieben Eltern und was ihr hier an den jeweiligen Tagen bzw. Wochenenden auf unserem Gelände geleistet habt. Nebenbei ist auch noch eine Benjeshecke entstanden - die zukünftig für verschiedenste Insekten und Säugetiere einen Lebensraum schaffen wird, in dem sie auch überwintern können. Zudem haben wir wunderbar beschriftete Stauden gepflanzt und geliefert bekommen. Nach genauer Anleitung einer Mutter haben wir noch mindestens 15 Pflanzen in einem Bodenloch zum Überwintern eingegraben. Wir freuen uns jetzt schon auf all die Überraschungen, die im Laufe des Jahres unsere Sinne mit Farben, Blüten und Düften noch beglücken werden. Danke möchte ich zudem auch allen Eltern sagen, die uns hier draußen im normalen Schulalltag darin unterstützen, daß ihre Kinder die gewünschten Zutaten für unserer pädagogisches Kochen so zuverlässig mitbringen. Aber nicht nur das, Helenes Mama hat uns tatsächlich ein Kilogramm köstliche, selbstgemachte Nudeln geschickt - da war ich sprachlos und super begeistert. Für mich spricht dies alles eindeutig für eine intakte, gewollte und gute Schulgemeinschaft, der ich glücklicherweise seit zehn Monaten angehören darf.

8. Dezember 2020
Täglich mit dem Zug nach Würzburg, auf dem Fahrrad bei Dunkelheit weiter nach Margetshöchheim, dazwischen die Arbeit mit der Jugend und mittags mit Rad und Zug zurück nach Hause. Die Welt da draußen - in dekorierter Weihnachtsstimmung - nehme ich nur sehr weit entfernt wahr, um nicht zu sagen ich verpasste sie fast. Aber eben nur fast! Gäbe es da nicht meine netten Freiarbeits- und SonderpädagogInnen und SchulbegleiterInnen, die bei ganz allgemein anfallenden Arbeiten unterstützend tätig sind, aber auch eigene Impulse setzten. Eva hat mit dem Binden schöner Kränze begonnen, gefolgt von Kathrin, die wunderschöne weiße Sterne mit einigen SchülerInnen aus Butterbrotbeuteln gestaltet hat und schwupp war auch ich ein wenig mehr in Weihnachtsstimmung. Karin G. hat dann in der letzten Woche mit viel buntem Papier noch farbige Stern -und Weihnachtskartenakzente gesetzt, die die Jugend mit Freude mitgestaltet hat. Mein Beitrag für die Vorweihnachtszeit lag mehr in Richtung Hauswirtschaftlichkeit. Wir hatten Anfang November noch vier Körbe Äpfel in Margetshöchheim auf einer Obstwiese pflücken dürfen, die unbedingt verarbeitet werden mussten: Bratäpfel mit Vanillesoße und Apfel-Streuselkuchen mit Zimt waren ab sofort zweimal die Woche Programm. All dies, begleitet von zwei Tagen richtig viel Schnee, Gesellschaftsspielen bei Matschwetter, Hausschlappen an den Füßen und warmem Tee stand dem Wohlfühlmodus nichts mehr im Weg! Es darf nun allerdings nicht der Eindruck entstehen als hätten wir bereits Weihnachtsferien vor den Weihnachtsferien gelebt. Emma und Melina recherchierten, wie groß eine/unsere Kräuterspirale sein darf/kann und was man für Erde und sonstiges Material braucht. Als wir uns die wunderbaren Bruchsteine vom Bauhof geholt hatten, wollten Max und Lorenz völlig engagiert in die konkrete Planung bzw. Umsetzung gehen. Nach Absprache mit den Mädels und derern Freigabe konnte weder das schlechte Wetter noch die kalten Temperaturen die beiden Jungs davon abhalten loszulegen. Die Verantwortung war übertragen und das Interesse so groß, daß Lorenz zu Hause weitergearbeitet hat und am folgenden Tag einen Plan bzw. eine Skizze dabei hatte. Nach genauer Prüfung des Standortes und der Rahmenbedingungen ist das Areal abgesteckt und bereits einige Steine gesetzt.
Lina und Judith wollten seit September etwas Kreatives machen, bzw. sogar ein Zimmer bunt bemalen - es sollte ein ganzes Weltraumzimmer werden. Die Planung und Ausarbeitung eines Modells für Ihr Projekt - wie schon an anderer Stelle berichtet - erwies sich als zeitaufwendig und nicht so einfach umzusetzen. Vielleicht war die Idee für den Anfang doch ein bisschen zu groß. Die beiden haben es geschafft, Abstand von ihrem Ursprungsgedanken zu nehmen und kreativ im Kleinen zu denken. "Wir könnten doch einfach Bilder malen für die Wände, oder? Hast du Acrylfarbe Karin?" Leider nein, aber schaut euch doch erst mal um, auf welchen Untergrund ihr überhaupt etwas malen könnt. Schnell haben die beiden alte Einlegeböden gefunden, die sie abgeschliffen und mit Bleistift vorskizziert haben. In Eigenregie haben die beiden dann Acrylfarbe, Pinsel und Farbpalette mitgebracht und zurückgezogen in einem Zimmer gemalt. Das Bild von Lina ist bereits fertig und wird vermutlich unsere Küche schmücken.
Zoè, Carlotta und Frieda haben ihr Hängemattensitzprojekt mit einigen Hürden und viel Geduld zu Ende gebracht. Mit großer Zuversicht, unglaublichem Teamgeist und Zurückhaltung (Frieda und Carlotta waren in Quarantäne und Zoè hätte alleine weiterarbeiten können, wollte aber unbedingt auf die beiden anderen warten) ist ein sehr ästhetischer und stabiler Chill-Sitz entstanden. Frieda will ihn unbedingt für ihr Zuhause nachbauen. Einfach nur großartig!

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22. November 2020
Leon, Tommi und Matteo widmeten sich unserer Kücheneckbank, die eigentlich nur noch wenige Feinschliffe benötigte damit sie endlich geölt werden kann. Erst dachte ich, drei sei einer zu viel, aber sie haben sich super organisiert und ohne sich auf die Füße zu treten die Bank zum Erstrahlen gebracht. Die schwerste Geburt hierbei war, sie wieder ohne Katastrophen in die Küche zu bekommen. Beim Transport nach draußen wurde fast ein Türrahmen herausgerissen – fast!
Es war ein schwergewichtiger (Massivholzbank) Balanceakt, der nur mit klugen, mitdenkenden Köpfen zu meistern war. Welch ein Glück, ich bekomme mit jeder einzelnen Klasse diese benötigten Köpfchen frei mitgeliefert .-). Das Eckbein (groß, in Form einer großen Bootsfinne) war im Weg und musste kurzfristig mit dem Brecheisen entfernt werden. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt oder wie Tommi sagte: „no risk no fun“. Es hat tatsächlich funktioniert, das Bein war nicht geschraubt, sondern an zwei Stellen genagelt. Wir kamen sehr geschmeidig ums Eck, konnten mit Gefühl und Sorgfalt alles wieder zusammenschlagen – sie steht und wackelt nicht mal, vor allem aber sind alle Türrahmen an Ort und Stelle geblieben und unversehrt.
Melina, Emma und Zoè schafften mit viel Frauenpower unser Sofa über die Feuertreppe in den ersten Stock und befreiten es mit Geschrei und Ekel, von Staub und Kleinstspinnen. Es fehlen noch Kissen und vielleicht ein Überwurf, damit es auch bequem und kuschelig wird. Also hier ein kleiner Aufruf von Zoè: „wer ein Kissen übrig hat, kann es doch einfach dem EKP schenken“.
Mittwoch war ein aufregender Tag für mich, denn Jürgen hat es tatsächlich geschafft unsere geschenkte Nähmaschine zu warten und wiederherzustellen, sodass an dieser nun tatsächlich genäht werden kann. Wir haben dadurch sage und schreibe 150 Euro gespart. Parallel dazu haben Melina und Emma sehr spontan anstatt nur Kaba zu kochen für uns alle aber auch für unseren Nachmittagsbesuch Brownies gebacken.
Ja, wir werden eine Ackerschule mit Unterstützung der „Gemüseackerdemie“ werden. Hierfür haben Frau Medhi, unsere Ansprechpartnerin bei der Gemüseackerdemie, Schulleiter Uwe Dillenz und ich vier Bodenproben ausgegraben, die nun im Labor auf Schadstoffe überprüft werden. Ist der Boden in Ordnung werden wir im Frühjahr mit unseren Jugendlichen die 150 m² Ackerfläche gemeinsam umgraben und ca. 14 Fruchtfolgen unter Anleitung der Ackerdemie, Fortbildungen meinerseits und gutem Bildungsmaterial für die Lehrer, anpflanzen, weiterverarbeiten und sogar, wenn alles nach Plan läuft unsere Schulküche mit Gemüse beliefern. Ich könnte jetzt stundenlang so weiterträumen … … Es ist zwar tatsächlich Zukunftsmusik, aber nicht unrealistisch – denn wo ein Wille ist, kann auch ein Acker entstehen.

9. Oktober 2020
Ich habe den Eindruck, dass bei so manchen Jugendlichen nun doch angekommen ist, was die "Erfahrungsschule des sozialen Lebens" hier im EKP denn tatsächlich in der Praxis bedeutet. Ich gestehe, dass auch ich täglich auf unvorhergesehene Ereignisse stoße und fürs Leben dazu lerne. Heute möchte ich aber das Lernen fürs Leben anhand eines guten Beispiels aufzeigen. Die Vorstellungen der Jugend vom EKP und was hier alles gemacht werden kann, entspricht wohl nicht ganz den Gegebenheiten hier vor Ort bzw. bedarf es der Notwendigkeit intensiver Überlegungen und Planungen. Dies alles plus der Erkenntnis, dass der EKP kein Spielplatz, sondern per se auch ein Ort der (sozialen) Bildung ist und zukünftig ein Ort der Bildung für andere Klassen sein wird, muss erst mal verstanden werden. Die Idee, ein Zimmer farbig zu gestalten und zwar jetzt sofort und genauso wie ich mir das vorstelle, scheint schon in der Planungsphase an Reiz und Interesse zu verlieren. Ich hoffe doch nur für den Moment. Einige merken bereits, dass der EKP keine Kunststunde ist in der die eigene Kreativität ganz für sich alleine ausgelebt werden mit einem Ergebnis nur für sich alleine. Im Gegenteil, das Individuum eingebettet in unserer Gemeinschaft, kann auf Widerhall oder eine Diskussion stoßen - im schlechtesten Fall sogar auf Ablehnung des eigenen Projektes. Ja, so ist das in einer Basisdemokratie! Umso wichtiger ist ein guter Plan oder ein gutes Konzept, welches die Gemeinschaft (nämlich unsere vier Gruppen) gut finden und letztlich auch mitgestalten wollen. Diese Komplexität zu begreifen geht in diesem Turnus langsam los und ist extrem interessant, aufregend und spannend; ich habe keine Ahnung in welche Richtung die Idee des Mädchens z.B. - ein Weltraumzimmer zu gestalten - noch gehen wird. Zuerst war sie enttäuscht, dass sie nicht einfach anfangen kann die Wände zu bemalen. Sie hat uns Bilder gezeigt und es ist unumstritten, dass sie wirklich Talent hat. Doch es wäre viel zu einfach, wenn wir jedem Talent hier freien Lauf lassen würden. Soll selbstverständlich nicht bedeuten, dass ihr Talent nicht gebraucht wird, nur eben geplanter! Das hat sie inzwischen gut verstanden. Nun ist ein Zimmer komplett fertig renoviert und kann geplant werden. "Super Karin, kann ich mal Skizzen machen?" Na klar, wir brauchen unbedingt Skizzen, die du den anderen dann vorstellen kannst. Ihre Skizzen waren wunderschön und sehr fantasievoll mit hängenden Planeten und Astronauten. Auf meine Frage wie viele Planeten es denn gäbe, die wir für den Raum benötigen und wie sie heißen, bekam ich tatsächlich keine Antwort, denn das war gar nicht ihre Intention. Ich dachte sie möchte ein Bildungszimmer zum Thema Weltall/Universum/Planeten/Astronomie gestalten. Nein, sie möchte einen Fantasie-Chill-Raum oder so etwas. Wunderbar, wir kommen ihren eigenen Vorstellungen schon etwas näher, aber ist das dann ein Bildungsraum für andere? Es tauchen tausend Fragen auf, die sie letztlich immer wieder von ihrer Vorstellung wegtreiben. Also habe ich Buntstifte und Karton besorgt, damit sie ihr Modell gestalten kann: dreidimensional, farbig und im richtigen Maßstab. Mit Material und Judith im Gepäck haben sie im Büro das Zimmer zugeschnitten und geklebt. Nur leider gab es für jede Wand einen anderen Maßstab! Es ist kompliziert ein Modell richtig zu bauen, vor allem, wenn die Proportionen stimmen müssen, um es dann in Lebensgröße und wahrheitsgetreu nachzubauen. Die Köpfe haben echt geraucht. Nach einer Pause haben wir uns intensiv mit dem Errechnen des richtigen Maßstabes beschäftigt. 1:10. 1 Meter in echt entspricht 1 Zentimeter auf dem Papier - das bekommen wir locker hin. Lorenz und Lina haben gemessen und Judith gezeichnet. Einmal das Zimmer rund herum gemessen und alles im rechten Winkel gezeichnet und am Schluss hat die Zeichnung nicht gepasst- Verzweiflung. Wie kann das denn sein; haben die falsch gemessen oder wir falsch gezeichnet? Zum heutigen Zeitpunkt können wir leider noch keine Aussagen machen bezüglich der Fehlersuche. Leider hatten wir am Donnerstag dafür keine Zeit mehr. Es gab eine Gemeinschaftsarbeit im Garten zu erledigen: das Haus und die Werkstatt mussten auf Vordermann gebracht; die Toiletten geputzt und vor allem unser köstliches Mittagessen zubereitet werden.

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14. September 2020
Das Wetter war großartig und wir konnten ausschließlich im Freien arbeiten. Wäre auch nicht anders gegangen, denn die Parkettleger waren ebenfalls da und haben die Holzböden repariert und den Untergrund für den Küchenboden vorbereitet. Lina, Sarah und Emilia haben mit sehr viel Mühe und Ausdauer den Küchentisch und bereits einen Stuhl mit allen möglichen Schleifgeräten und Tricks wunderschön bekommen. Die kommende Gruppe wird hoffentlich Lust haben den Feinschliff zu vollziehen und den 2. Stuhl und die Eckbank in Angriff nehmen. Zum Einlassen des Holzes bekommen wir von dem Parkettleger beste Beratung und das richtige Öl. Für Dominik war klar, dass er Rasen mähen wird und Michael (Dominiks Schulbegleiter) wurde eingewiesen und informiert, wo all unsere Geräte stehen. Endlich war auch unsere Akkusense da, so dass Michael kräftig mitgearbeitet hat und all die bisher unbearbeiteten Stellen im Garten endlich sensen konnte. Dominiks Mama hat uns einen ca. 20 cm hohen Birnbaum und Erdbeerpflanzen für ein komplettes Beet geschenkt. Lina G., Jona und Judith pflanzten die Erdbeerpflanzen ein und entdeckten unter dem Haselstrauch ein zugewuchertes und unbepflanztes Blumenbeet. Dieses wollten sie nun freilegen und mit Blumen bepflanzen. Ich habe in den Ferien ein Paar Pflanzen bei Freunden organisiert und bienenfreundliche Glockenblumen besorgt, die nun bereits einen Platz gefunden haben. Jan und Phil haben gestern viele Paletten ganz runter in den Garten transportiert, für noch zwei Kompostbehälter. Vorher mussten sie die Fläche von vielen Wildwuchs-Brombeeren befreien. Eine sehr dornige Angelegenheit, aber alles nicht so schlimm, wenn man die längste Brombeerrute der Welt aushebelt. "Die ist bestimmt sieben Meter lang, Karin", haben Jona, Lina und Judith voller Freude gerufen. Pauline hat mit Eva zusammen sehr viel sonstigen Wildwuchs ausgedünnt und beseitigt. Auch Luna-Lee genießt die Bewegungsfreiheit im EKP und die vielen Möglichkeiten der Beschäftigung. Elisa und sie haben an verschiedenen Orten mitgeholfen, sich dazwischen mit einem Herbststrauß für Lunas Mama kreativ betätigt und auf unsere Toiletten hübsche Blumenvasen gestellt. Maxi, Lorenz und Lina waren eine absolut nicht zu erwartende Truppe! Unglaublich und kaum zu glauben mit welchem Engagement sie eine unbezwingbare Wurzel ausgraben wollten. Die drei hatten nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern hier war richtig gute Teamarbeit gefragt. Zum Kräfte schonen bzw. auftanken haben Jan und Phil phasenweise unterstützt. Lorenz brachte am Mittwoch einen Fahrradhänger mit solidem und gut durchdachtem Werkzeug mit - denn der Wochenplan lautete: "die Wurzel muss raus!". Hat nicht ganz geklappt und traurig waren alle drei, aber was soll es - "wir haben auch eine Wurzel in 5 Minuten herausgeschafft, an der zuvor zwei Wochen gegraben wurde". Phil und Jan waren in dieser Woche immer zur Stelle, wenn akut etwas zu reparieren war. Zuerst unser Sorgenkind Schubkarre und eine wackelige Bierbank, welche sie tatsächlich wieder stabil bekommen haben. Hat leichter ausgesehen als es war, bei der Selbstkontrolle war die Bohrung komischerweise nicht an der richtigen Stelle. Was haben die Jungs gelernt? Bei Holzarbeiten, bei denen Verschlüsse ineinandergreifen, sollte immer zweimal gemessen werden bevor man bohrt. Und zu guter letzt haben die beiden auch noch die unbeliebteste Arbeit erledigt - die Toiletten geputzt. Sehr sorgfältig und genau nach Anleitung - ihre Mütter wären hin und weg gewesen, hätten sie das gesehen.

24. Juli 2020
Die letzte Gruppe vor den Ferien. Mögliche Aufgaben waren: Rasen mähen, die zweite Wurzel ausgraben, Küche fertig streichen und die Bodenfliesen herausreißen, Werkstatt weiter organisieren, Wildtierkamera installieren.
Emil und Luque wollten die Wuzel(n) ausgraben und haben sich mit viel Ausdauer und Mühe und Verzweiflungslacher (denn der Boden war aufgrund von Trockenheit so fest wie Beton) Zentimeter für Zentimeter in die Tiefe vorgearbeitet. Auf meine Frage, wie sie denn den Boden weicher bekommen könnten kam die Antwort: "draufpinkeln" grins? Großes Erstaunen als ich erwiderte: "keine schlechte Idee". Manchmal sind die Lösungen so nah, dass man sie nicht sieht. "Du meinst Wasser, oder?", aber das Wasser hatte nicht den erwarteten Effekt und nur ein wenig geholfen, dafür aber den Spaßfaktor nach oben bewegt. Zwischendurch haben die beiden auch noch Online-Recherche für unsere -bis gestern nicht funktionierende- Wildtierkamera gemacht. Wir vermuten auf unserem Gelände einen Dachs der allerdings meist zur Dämmerung erscheint und außer Pfotenspuren für uns noch nicht zu sehen war. Nun können die Jugendlichen im September Detektivarbeit betreiben und per Kurzvideo oder Foto vielleicht sogar mehr als ein Tier "einfangen". Lorietta und Alia wollten unbedingt Rasen ohne Kabel mähen, und mussten unsern kleinen Neuen erst einmal bändigen. "Karin, Shaun schießt scharf.“ „Wer ist denn Shaun?“ Kurzerhand heißt der Rasenmäher nun Shaun (wie das Schaf) und als der Auffangbehälter angebracht war, war Shaun effektiv und friedlich mit den beiden im Garten unterwegs, bis die Sonne nicht mehr erträglich war. Einen schattigen Arbeitsplatz gab es noch, welch ein Glück! Tea war wegen ihres kaputten Knies etwas verunsichert, ob sie denn überhaupt zum EKP kommen soll und etwas arbeiten kann. Klar doch, sie hätte die Texte für hier schreiben können, wollte aber doch lieber mit Jürgen in der Werkstatt das Restwerkzeug organisieren. Kaum zu glauben, aber ich habe es gesehen! Jürgens Hüften haben sich mit ABBA - Klängen aus Teas Box bewegt, "Ich hör liebe so altes Zeug" hat Tea gesagt. Als dann die Shaun-Bändigerinnen zur Unterstützung kamen konnte man viel Kichern, lautes Bohrgeräusch und Hämmern aus dem Schuppen hören. Die Werkstatt hat nun System ist sehr kreativ und praktisch von vielen unterschiedlichen Jugendlichen stylisch gestaltet worden. Jürgen hat sie einfach gelassen und zur Umsetzung einfach nur kleine fachliche und praktische Tipps gegeben, das hat großartig funktioniert. Yara und Tajra hatten sichtlich Spaß daran aus der Küche ein schönes Schmuckstück zu machen. In Etappen haben sie ihre sichtbaren Erfolge mit Freudenschreien und guter Musik gefeiert. Das Ergebnis für ihr Erstlingswerk lässt sich sehen. Nun können wir endlich die von Melissa und Secil - vollendet - weiß gestrichenen Küchenschranktüren anbringen. Und schon schaut die Küche mit unserem bereits gelieferten neuen Kühlschrank und Herd sehr gut und einladend aus. Melissa hat in ihren Streichpausen doch tatsächlich ihre Zeit genutzt um jetzt schon für den Quali im kommenden Jahr zu lernen. Stolz hat sie mir ihre in Eigenregie angefertigten Ordner gezeigt und gefragt, "ob sie hier denn auch lernen dürfte, wenn sie gerade nicht motiviert ist zu arbeiten?" Selbstverständlich! du kannst dich auch in mein Büro setzen, da ist es ruhig und kühl. So, und zu guter letzt in dieser Woche musste ich gestern (mit selbstgebackenem Brot und Brownies), leider meine außerordentlich nette und freundliche "Freiwillige"/Praktikantin Secil verabschieden und natürlich auch die 8. u. 7. KlässlerInnen, die kommendes Jahr nicht mehr kommen werden.

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14. Juli 2020
Die Jungs hatten sehr viel Energie und machten es sich zur Wochenaufgabe, die große Wurzel auszugraben. Es ist unglaublich, wieviel Power da aus ihnen herauskam. Ohne die witzigen Sonnenhüte hätten sie vermutlich alle einen Sonnenstich bekommen.
Luna-Lee, und ihre Begleiterin Lena hatten nach kurzer Hausbegehung keine Mühe sich im Konferenzzimmer mit Buch und Gemütlichkeit einzufinden. Als Jürgen Unterstützung brauchte, den Minischuppen auszuräumen damit er in Zukunft nur noch als Rasenmäher-Garage genutzt wird, war die sympathische Jaa-Sagerin Luna-Lee mitten im Geschehen. Merle und Lea gingen mit Musik und Hörspielen in der Küche mit Secil ans Werk. Sie gaben der Küche viel weiße Farbe auf die Tapete. Anna und Lilian haben im wahrsten Sinn des Wortes das Türenstreichen rhythmisiert. In der richtigen Konstellation und mit der richtigen Musik gibt es auch bei der Arbeit keine Grenzen für den Spaß. Ich würde sagen, die beiden sind ein Quell steter Freude. Mittwoch sah die Welt sehr trübe aus, auch in doppeltem Sinn. Dominik hatte seinen ersten Tag und wollte natürlich nichts lieber tun als Rasen mähen! Wäre mit unserem tollen neuen Benzinmäher, den uns Eva vermittelt hat und von Jürgen repariert wurde, wunderbar gegangen. Doch es regnet! Ich glaube Eva hat es mit nicht allzu viel Mühe geschafft, Dominik und Luna-Lee zu motivieren gemeinsam Fenster zu putzen. Bei diesen schmutzigen Fenstern war ein messbares Erfolgserlebnis bestimmt garantiert. Ich jedenfalls kann wieder klarsehen und alle hatten eine sinnvolle Arbeit. Die Streicherinnen konnten weiterhin streichen, David und Leopold haben in feinster Kleinarbeit und super exakt mit der Gehrungssäge im oberen Stock eine Ecke mit der Sockelleiste ummantelt. Maximilian, Till und Daniel durften Jürgen unter die Arme greifen die Rasenmäher-Garage zu entrümpeln und den kaputten Holzschrank komplett zu zerlegen. Drei Jungs waren dann doch einer zu viel für die 6 m² und Till bekam von mir den Auftrag im Büro zu recherchieren was alles an Material gebraucht wird und wie man aus Paletten einen Kompostbehälter baut. Hat er super gemacht, denn am nächsten Tag war das Wetter für Außenarbeiten so gut war, dass Till als Baumeister sozusagen die Leitung übernehmen konnte und am Ende ein toller Behälter dasteht. Wir brauchen mindestens noch zwei weitere. Dies stellt nun aber kein Problem dar, denn Till hat die wichtigsten Punkte zusammengefasst und mir erklärt wie es geht. Trotz des Nieselregens konnten wir im Freien arbeiten und das war auch Dominiks große Hoffnung, denn was wären zwei Tage EKP ohne gemäht zu haben. Nachdem es nur feucht war entschied ich ihn mähen zu lassen, denn auch wenn er nur 4 m² schafft ist es besser als gar nichts und er ist glücklich. Von wegen, er hat unentwegt gemäht, Eva hat voller Tatendrang die Ränder geschnitten, Luna-Lee durfte mit Lena Kräuter besorgen und ins Kräuterbeet pflanzen. Es gab zum Abschluss Brownies und viele glückliche Gesichter. Dominiks Mutter schenkt uns im Herbst viele Erdbeerableger, mit denen wir zwei Beete bestücken können, und schon haben wir die zweite Frucht, die wir kommendes Jahr zu Marmelade verarbeiten können.

10. Juli 2020
Dieser Freitag ist vergleichsweise zu den vergangenen drei Tagen fast schon ein unheimlich stiller Ort. Wir hatten Elektriker im Haus, verschiedene Unterbaustellen, Jugendwünsche und Früchteverwertung als Pflichtprogramm! Natürlich haben wir alle Vorhaben mit Bravour gemeistert, mit einigen Diskussionen, mehr Musik als sonst und am Ende, denke ich, wieder zur Zufriedenheit fast aller! Und erneut wurde ich gefragt, ob es denn erlaubt wäre zu kommen und mitzuhelfen, wenn ich in den Sommerferien auf dem Gelände arbeite. Größtenteils kommen diese Anfragen tatsächlich von den 8. KlässlerInnen, die es sehr bedauern so wenig hier gewesen zu sein in den letzten Monaten - sie wollen mehr! Auch wenn sie letztlich nicht kommen würden, ist alleine schon die Idee in ihrer freien Zeit in den EKP gehen zu wollen, um zu arbeiten, eine großartige Bestätigung für die Sinnhaftigkeit dieses Lernortes. Wir haben gemeinsam 8265 g Johannisbeeren geerntet, vorbereitet und wunderbar Marmelade eingekocht. Jürgens Tipp lag mit 7600 g an 1.Stelle. Und schon kommt Mathematik ins Spiel und es war sehr schnell klar, wer Talent zum Rechnen hat. Yara und Johanna haben in kürzester Zeit exakt ausgerechnet wieviel Gelierzucker und wie viele Gläser für die Marmelade gebraucht werden. Etiketten wurden beschriftet und beim gemeinsamen Essen wurde hin und her überlegt, was denn - würden wir die Marmelade verkaufen - für ein Glas genommen werden könnte. Es herrschte Einigung bei 2,50 Euro. Unsere Zeit hat leider für eine Komplettrechnung nicht ausgereicht, denn wir hätten schon gerne gewusst, ob der Preis angemessen wäre bei diesem Arbeitsaufwand, plus die Materialkosten, plus Strom, und ob wir am Ende überhaupt einen Gewinn gemacht hätten. Wer hätte gedacht, dass das banale Marmelade kochen dann doch so viele und komplexe Berechnungen aufweisen würde. Sicher ist jedenfalls, dass es uns erst mal nicht an Brotaufstrich mangeln wird. Wir können ab heute unsere Besuchs-bzw. Schnuppergäste - sprich die SechstklässlerInnen, welche ab September kommen, mit selbstgebackenem Weißbrot und Marmelade bewirtschaften. David war heute mit seiner halben Klasse da und bis auf eine Scheibe Weißbrot wurden alle Honig- und Marmeladenbrote aufgegessen. Mit großem Engagement und sehr sorgfältig haben Leon und Bastian zuerst in der Werkstatt geholfen und anschließend die Küchenschranktüren von der Lasur befreit, mit dem Bandschleifer geschliffen und abgewaschen. Sie hoffen nun, dass die kommende Gruppe gut grundieren kann und die Farbe auch hält. Lina, Svenja und Joelle haben sowohl das Kräuterbeet als auch die Wege von Unkraut befreit. Alle miteinander haben gearbeitet wo es nötig war und sehr viel geschafft.

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3. Juli 2020
Dritte Woche, dritte Gruppe und nichts wie man es erwartet hätte. Sollte auch nicht so sein, bei so vielen unterschiedlichen Individuen die mir hier begegnen! Am ersten Tag jeder neuen Gruppe wird ausgekunsdchaftet, gesucht was gemacht werden kann. Es macht für sie nicht jede Arbeit Sinn - was will/kann man denn in 2,5 Tagen überhaupt fertigmachen? Das habe ich schon öfter gehört. Manches wird begonnen und von der nächsten Gruppe fertiggemacht, anderes aber wird schneller erledigt als ich schauen kann. Jede Gruppe hat bisher in einen Arbeitsprozess hineingefunden, entweder in Einzelarbeit oder in Teams. Für mich ist es selbstverständlich, dass ein gesetztes Ziel nicht immer erreicht werden kann und in den meisten Fällen der Weg, den man geht im Grunde viel tiefere Bedeutung findet als das Endziel. So erging es z.B. Benjamin, der sich bereit erklärt hatte zum Nachbarsgrundstück hin die lästigen und sehr dornigen Brombeeren zu entfernen. Sein Ziel war es bis ans Ende des Grundstückes zu kommen, wäre da nicht ein Werkzeug kaputtgegangen, dass er unbedingt wieder reparieren wollte. Der Prozess der hierbei stattgefunden hat zeichnet in meinen Augen den Lernort Erdkinderplan aus: Benjamin hat von sich aus versucht den abgebrochenen Holzgriff wieder in die Metallfassung zu bekommen. Jürgen und ich haben ihm nur Tipps gegeben wie und mit welchen Techniken er das Holz bearbeiten kann damit es sicher und ohne zu wackeln am Ende wieder als Werkzeug benutzt werden kann. Das hat ihn einen Vormittag Zeit gekostet und Benjamin war nicht zufrieden mit seiner Tagesarbeit. Ich habe ihn mit den Worten auf den Heimweg geschickt, dass er unbedingt die ursprüngliche Arbeit - nämlich lästiges Gestrüpp zu beseitigen - aus seinem Kopf streichen und lieber darüber nachdenken soll, wieviel und was er heute alles gelernt und geleistet hat. Er hat gehobelt, geschliffen, einen Keil geschnitzt, an der richtigen Stelle gesägt und das Werkzeug wieder instandgesetzt, mit sehr fachkundigen Unterweisungen von Jürgen. Ich finde das war eine große Leistung! Gestern hat er ohne uns Erwachsenen noch die Hohlräume ausgefuttert, sodass die Harke wieder zum Einsatz kommen kann und Benjamin richtig zufrieden war.
Franka und Veronika sind ein super Team! Sie haben die Werkstatt strukturiert. Diese ist nun gut sortiert und beide haben mit tollen, ausgetüftelten Ideen einiges an Werkzeug an die von ihnen montierte Holzwand gebracht. Die beiden waren nicht immer einer Meinung, haben aber in einer unglaublich respektvollen und wunderbaren Art und Weise diskutiert und Lösungen gefunden.
Ronja und Yasmin waren bereit unsere Decke im Erdgeschoss fleckenlos weiß zu bekommen und wurden gestern noch von EliJah unterstützt und mehrmals zum Lachen gebracht. Nun ist auch dieser Raum bis auf den Boden fertig.
Secil hat Ronja gezeigt wie man tapeziert, indem sie am Montag einen Teil der Küche mit Steintapete aufgefrischt haben. Mein Favorit war eigentlich eine mediterrane Fliesentapete, aber die Jugend wollte diese "altmodische Tapete auf keinen Fall". Henri hat versucht unsere Holz-Küchen-Türen mit weißer Lasur schön zu machen und alles gegeben, doch leider ist nicht die Maserung sichtbar, sondern es gibt überall vergilbte Flecken. Henri hat es mit Fassung getragen und gleich nochmal angeschliffen. Nun werden wir mit Verzicht auf die Maserung doch grundieren und am Ende hoffentlich noch eine reinweiße Oberfläche hinbekommen. Jakob und Elijah haben gemeinsam unseren Schubkarrenreifen repariert. Zuerst denkt man, das wird nicht lange dauern und am Ende gibt es doch einen Haken. Und genau diese Haken machen das Arbeiten hier so spannend! Das Ventil und die Fahrradpumpe waren nicht wirklich kompatibel. Geduld, Tricks und Jürgen waren notwendig, um Luft in das Runde zu bekommen - der Reifen ist praller denn je.

26. Juni 2020
Juhuuu, wir haben eine freiwillige Autorin für die Berichterstattung gefunden. Fiona war begeistert, diesen Job übernehmen zu dürfen. Kurz und prägnant fasst sie die drei arbeitsreichen Tage zusammen:
23. Juni 2020

  • Dustin und Jakob haben die Werkstatt gesaugt und weitestgehend sortieren, dies ist ein großer Spaß, den Dustin größtenteils alleine erledigen darf.
  • Maja, Natalie und Jana haben die Hecke vom Zaun geschnitten bis es sehr gejuckt hat.
  • Giannino hat die Fehlerfarbreste der Vorgruppe entspannt und genervt vom Boden gekratzt.

24. Juni 2020

  • Fiona, Annabel und Dustin: Too much sun! Wir schrauben und bohren, um ein Sonnensegel zu befestigen.
  • Jakob und Dustin: Schrank einräumen und sauber machen ist ein Teil unserer Lieblingsarbeit, die wir fast den ganzen Tag machen.
  • Giannino schneidet Hecken am Zaun und fechtet mit den Dornen bis zur Erlösung.
  • Dustin und Fiona: Aus altem Draht wird Schmuck! Dustin schenkt seinen selbstgebastelten Ring an Annabel. Wir hören die Hochzeitsglocken schon läuten!
  • Annabel und Fiona: Die große Liebe zu den Rosen ist da! Der Garten ist vor nichts mehr sicher zudem ergänzen Rosenblätter, Sauerklee und Spitzwegerich unseren Speiseplan nach der Lektüre über essbare Wildkräuter gelesen. Danach wird Werkzeug mit Nagellack markiert.
  • Leonard hat die Gartenhecke geschnitten und Schranktüren in der Küche abgeschraubt.

25. Juni 2020

  • Fiona: „Berichte schreiben ist mein neuer Job! Die anderen haben keine Macht gegen meine Texte!"
  • Annabell und Giannino zupfen mit einer unerschöpfbaren Energie aus den Fugen des Weges Unkraut.
  • Leonard hat den begehrtesten Job erhalten, das Rasenmähen. Hoffentlich ist das Kabel ganz geblieben.
  • Natalie, Jana und Maja: So wie am Mittwoch dürfen die Minions in der Küche die Fliesen reinigen und überstreichen.
  • Annabell und Jakob: Freiwillig und unwissentlich werden ihnen die Klobürsten zugeteilt.
    Karin: „Würdet ihr eine Arbeit für mich machen die nicht schön ist?“
    Antwort von beiden: "Kommt auf die Arbeit an."
    Karin: „Ja, das sage ich euch natürlich nicht vorher. Ihr habt nur die Möglichkeit mit nein oder ja zu antworten.“
    Antwort von beiden: "Ja.“
  • Nachtrag von Karin: Weil es hier so besonders schön ist, wollten Maja, Natalie und Jana heute freiwillig kommen, um die Küchenfliesen fertig zu machen - "vielleicht nicht schon um halb neun" haben sie gesagt. Dafür war Dustin bereits 8 Uhr hier und schleift tüchtig die Schranktüren ab.
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24. Juni 2020
Jakob und Dustin räumen die gelieferte Werkstatt-Ware mit System und Scharfsinn ein. Und nicht nur das, alle Schränke Schubladen werden erst gereinigt und danach bestückt, genauso wie ich es auch gemacht hätte. Fiona und Annabell haben erfolgreich ein Sonnensegel, das Jürgen gesponsert hat, an die Hauswand angebracht und überall geholfen wo es nötig war. Werkzeugkunde und wie richtig gebohrt wird sind jetzt verinnerlicht, weil sie es eigenhändig machen wollen. Maja Jana und Natalie sind angefixt die, im Moment noch, super hässliche Küche schön zu machen. Leonhard hat alle Schranktüren, die abgeschliffen und später gestrichen werden wollen, abmontiert und Giannino gut in den Arbeitsprozess integriert. Zuvor haben sie einiges an Grüngut im Garten weggeschafft. Jürgen ist voll in seinem Element die Jugendlichen auf eine sehr positive und nette Art und Weise so zu unterstützen, dass alle für heute sehr zufrieden mit ihren Arbeiten waren.

22. Juni 2020
Zum Abschluss der vergangenen Woche, also am 3. Tag unseres gemeinsamen Arbeitens, kann ich freudig vermelden, dass unglaublich viel gearbeitet worden ist und zwar richtig effektiv. Jona hat gefragt ob er einen Rasenmäher plus Sense von zu Hause mitbringen kann, denn sie (Jona, Joschua, Niklas und Liam waren gemeinsam unterwegs) wollen es an einem Tag bis runter zum Container schaffen. Secil und ich haben dagegen gewettet und tatsächlich verloren. Der Konferenzraum ist nahezu fertig gestrichen. Ellen, Yara, Helene und Secil haben die Decke gestrichen und ihrem Empfinden nach war dies weniger anstrengend als erwartet. Heute wird der Raum nur noch ein wenig ausgebessert. Das erste Palettenmöbel ist von Ida ausgewählt (es wird ein Strandkorb), einstimmig abgesegnet und die Einkaufsliste ist geschrieben. Drei Tage sind schnell vorbei, wir haben alle viel erlebt und ich muss leider von Jona und Joschua Abschied nehmen - das ist sehr schade. Dennoch freue ich mich schon auf die nächste Gruppe.

EKP 6
EKP 5
EKP 4

17. Juni 2020
Ich möchte mich beschweren! Keiner von euch hat mich, auf das was mir hier im EKP widerfährt, vorgewarnt. Nie im Leben hätte ich erwartet, so viel Lachen zu müssen/können. Mein Motto lautet ab sofort: plane nicht, sei sehr flexibel und reagiere vor allem auf unerwartete kleine bis mittelgroße Katastrophen. Die Schleifmaschine war heute plötzlich nicht mehr aktuell, der Herdunterbau hätte gehalten, hätten nicht drei Jungs gleichzeitig versucht … was auch immer zu tun. Ich war kurz nicht im Raum und als ich zurück kam war der Rahmen kein Rahmen mehr. Sie waren alle drei überzeugt, dass in 5 Minuten die Sache erledigt sei - muss ja nur in die Lücke geschoben werden - denn Jona mit Joshua wollten bei dem guten Wetter eigentlich lieber ihrer Routinearbeit, dem Rasenmähen nachgehen. Also Jungs, wir brauchen eine konstruktive Lösung - erstaunlicherweise kommen sie recht schnell auf eine Idee, und Dank Secil, die unseren Schrank "untauglich" gemacht hat, konnten wir schnell die Hartfaserplatte für das Herdprojekt hernehmen. Nebenbei bemerkt, konnte Michelle kaum fassen was in der Küche geschehen war. Die fleißigen StreicherInnen im Nebenzimmer Alice, Liam, Ellen und Michelle hatten nagelneue Maleranzüge an die ihre Kleider schützen sollten - hat auch nicht wirklich geklappt! Ellens Hose (schwarz) war ziemlich weiß und sie echt verzweifelt. Mittlerweile ist alles wieder gut und die Hose wieder schwarz. Diese Gruppe hat bis zur Pause um 9:45 Uhr sehr ruhig und konzentriert gearbeitet - was danach geschah ist nicht zu erklären. Ein Stuhlbein stand im Farbeimer und circa 5 Prozent der Farbe war tatsächlich unter den Teppichen auf unserem Holzboden. Gemeinsam haben wir es weggeschrubbt und es klingt schlimmer als es war, das Zimmer ist bis auf die Decke und kleineren Lücken gut gestrichen. Yara, Helene und Ida waren mit Secil Unkraut aus den Wegen zupfen, nur die Regenwürmer machten es ihnen schwer, weil sie so eklig sind. Niklas konnte ich dazu überreden, dass er nun mit mir alleine den Unterbau unter den Herd bringen könnte. Mein Versprechen an ihn konnte ich halten, der Unterbau steht und das sogar in der Waage.

16. Juni 2020
Ich bin Karin, die Neue auf dem Erdkinderplangelände in Margetshöchheim. Der erste Tag ist geschafft und ich muss gestehen, es ist ganz schön was los mit 9 Jugendlichen indoor, plus zwei Praktikantinnen und mir und Karin. Dennoch haben alle nach kurzer Orientierung eine sinnvolle Arbeit gefunden. Ellen und Karin haben z. B. im kleinen Gruppenraum die Fensterrahmen von Kleberesten befreit und das Fenster geputzt. Bleibt hier nur noch der Boden abzuschleifen. Im großen unteren Zimmer haben Michelle, Liam und die beiden Praktikantinnen alles gut abgeklebt, so dass morgen gestrichen werden kann. Jona, Joshua und Niklas machten sich Gedanken wie die Küche gestaltet bzw. umgestaltet werden könnte und haben sofort bemerkt, dass es zwar einen neuen Herd gibt, er aber nicht Plan läuft mit der Arbeitsplatte und wir einen Unterbau brauchen. Gedacht, überlegt, mit der Stichsäge Latten zugesägt und kurzerhand von Michelle zusammengeschraubt. Ob wir exakt gerechnet und gemessen haben wird sich morgen zeigen, wenn wir den Unterbau darunter schieben. Yara und Helene haben sorgfältig eine alte im Keller gefundene Kommode ausgewaschen und versucht mit Handschleifern die Oberfläche schön zu bekommen. Mit dem Ergebnis sind sie leider nicht zufrieden, so dass morgen mit einer elektrischen Schleifmaschine versucht wird ein besseres Ergebnis zu erzielen. Ida beschäftigt sich bereits intensiv mit dem Bau von Palettenmöbeln, die besorgten Paletten gezählt und schon ein schönes Projekt gefunden. Morgen wird sie herausfinden ob wir alles an Werkzeug und Zubehör vor Ort haben, um Möbel zu bauen.

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