Start Alle Nachrichten Nachrichten Prüfungsergebnisse 2009

Erstes Fachabitur an einer Fränkischen Montessorischule „Für 12 Jahre Spielen auf dem Teppich ein bayerisches Abitur" Die erste nordbayerische Montessori- Fachoberschule hat bei einer Feierstunde im Matthias-Ehrenfried- Haus ihre ersten Abiturienten verabschiedet. Zehn Schülerinnen und Schüler aus der Montessorischule Würzburg im Kloster Oberzell hatten in Kooperation mit der Franz- Oberthürschule in Würzburg erfolgreich die Prüfungen abgelegt.

Bei einer dreistündigen Feier mit viel Witz und Ironie hatte der Neubaiturient Simon Gogolin die meisten Lacher auf seiner Seite. Im Hinblick auf die Pädagogik von Maria Montessori meinte er in der Abiturrede: „Wir haben bewiesen, dass man auch mit zwölf Jahre Spielen auf dem Teppich ein bayerisches Abitur schreiben kann. Tobender Applaus war ihm daraufhin sicher. Dabei hatten die Abiturienten alles andere als ein leichtes Jahr hinter sich. „Die 12. Klasse stand von Anfang an sehr stark unter dem Eindruck der Prüfung“ resümiert die für die Fachoberschule zuständige Schulleiterin Friederike Scholl. Auch die Lehrer standen unter starker Anspannung, es gab „Crash-Wochenenden“ zum Lernen und sogar in den Schulferien trafen sich Schüler und Lehrer zu Prüfungsvorbereitungen.

Wenn der Englischlehrer schlecht schläft
Der Englischlehrer  habe  vor der ersten Englischprüfung  beim Abitur schlecht geschlafen habe., erzählt Friederike Scholl: Es gehe an allen Lehrern nicht spurlos  vorbei, sie seien alle sehr engagiert gewesen, weit über das, was sie müssten.  Der Englischlehrer war Gunther Schönweitz. Er hatte bereits ein Lehrerleben am Wirsberg- Gymnasium hinter sich, kam für zwei Jahre noch einmal aus dem Ruhestand zurück und wurde mit großem Applaus jetzt verabschiedet. Zwei erfüllte Jahre seien das gewesen, so Gunther Schönweitz, er habe Schule und auch Schüler von einer ganz neuen Seite kennengelernt.
Das bestätigt auch Schulleiterin Friederike Scholz. Die Schüler hätten eine konzentrierte, gewissenhafte, aber auch fröhliche Arbeitsweise an den Tag gelegt.  Förderlich sei dabei die Arbeit in Kleingruppen gewesen. Der Kontakt zwischen Schüler und Lehrer  war freundschaftlich geprägt. Es sei die Fortsetzung einer gegenseitigen Bindung und Achtung, die sie von ihrem Dasein an der Montessorischule kennen, so Friederike Scholl.

Das gute Händchen des Jürgen Engel

Bei der Abiturfeier gab es auch Dank für Jürgen Engel, Mitgründer der Fachoberschule vor zwei Jahren und Vorgänger von Friederike Scholl als Schulleiter. Ende des vergangenen Schuljahres ging er zurück zur Diözese Würzburg und ist für die Ausbildung der Pastoralreferenten „Jürgen Engel hat die FOS im Gründungsjahr gut aufgestellt, er hatte ein gutes Händchen" hieß es bei der Feier. Von einem guten Kontakt zur Franz- Oberthür- Schule berichtete Friederike Scholl. Die Prüfungen liefen an der städtischen Einrichtung. Die Wertschätzung gelte auch in der Zusammenarbeit mit dem FOS- Ministerialbeauftragten Hanjörg Bosch (Erlangen). „Wir werden von ihm ernst genommen und unterstützt, wir werden beobachtet, aber eben auf keinen Fall missbilligend, sondern wohlwollend", so Schulleiterin Friederike Scholl. Dabei sind die Hürden für die private Reformschule hoch. Zweimal müssen mindestens zwei Drittel der Schüler das Fachabitur erfolgreich absolvieren, erst dann gebe es eine Refinanzierung der von der

Montessori Fördergemeinschaft Würzburg vorgestreckten Gelder. „Der erste Teil ist geschafft", so eine erleichterte Schulleiterin.

Praktika in Schottland

Die Montessori Fachoberschule im Kloster Oberzell hat eine europäische Ausrichtung. So werden Praktika in Würzburgs Partnerstadt Dundee durchgeführt, schottische Schüler aus der Partnerschule waren im Juni/Juli in Würzburger Betrieben. Diese Auslandsaufenthalte sollen nach Frankreich oder Spanien ausgeweitet werden.

Die Montessori- Fachoberschule hat auch Neuland in der Weiterentwicklung der eigenen Pädagogik beschritten. Da Maria Montessori ihre Pädagogik nur für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre entwickelt hat, werden die Nachfolger ihrer pädagogischen Wege neue Pfade beschreiten. „Wir sind Pioniere, die die Pädagogik weiterschreiben", sagt Friederike Scholl. Die ersten Absolventen der Montessori-Fachoberschule in Würzburg werden vielfältig ihren Weg fortsetzen: Mit dem Studium „Soziale Arbeit" an der Fachhochschule, mit einer Ausbildung im IT-Bereich oder Grafikdesignerin. Zum Abschluss der Feier wurde jedem Abiturient der Montessori-Wein überreicht. Bei der Gründung der FOS 2007 pflanzten sie im Montessorigarten Reben, besichtigten zwischendurch wachsende Weinberge bei Martin Steinmann in Sommerhausen und konnten jetzt eine gereifte Flasche Frankenwein entgegennehmen´. Quali mit Durchschnitt 1,0 Auch die anderen Prüflinge an der Montessori-Schule konnten erfolgreich ihre Zeugnisse entgegennehmen. Den M 10 Abschluss mit der Mittleren Reife in Kooperation mit der Eichendorfschule Veitshöchheim haben alle Absolventen der erstmals eingerichteten Prüfungsklasse bestanden, den Qualifizierenden Hauptschulabschluss in Zusammenarbeit mit dem Würzburger Vinzentinum haben 18 Schülerinnen und Schüler erfolgreich absolviert, darunter eine Schülerin mit dem Traumdurchschnitt 1,0. Obwohl Noten an der Montessorischule im Alltag keine Rolle spielen, müssen sie doch am Schluss zumindest offiziell als Gradmesser dienen. Und dass Montessorianer ihren Weg im Leben machen, so Geschäftsführerin Monika Kraft, zeige der spontane Besuch zweiter ehemaliger Schülerinnen an ihrer einstigen Schule. Darunter war Sarah Stiurins, die nach der Schule eine Ausbildung als Damenmaßschneiderin machte, obwohl ihr viele davon abgeraten hätten. Heute ist sie die jüngste Abteilungsleiterin aller deutschen Filialen der renommierten Modehauskette Peek & Cloppenburg. Sarah Stiurins selbstbewusst: „Ich habe auf der Monte gelernt zu dem zu stehen was ich will."

Schülerstimmen zum ersten Montessori- Fachabitur

Manuel Rojewski: „Ich bin jetzt total glücklich, dass ich das Abi habe. Ich war zuvor auf der öffentlichen FOS. Man hat schon starke Unterschiede gemerkt zur Regelschule, z.B. dass die Lehrer hier viel mehr hinter Einem standen. Ich habe mich gefreut hier gewesen zu sein. Ich war schon zehn Jahre an der Monte, habe zwei Jahre ausgesetzt und bin

dann noch einmal gekommen." Simon Gogolin: „Ich bin sehr positiv überrascht von der Zusammenarbeit mit der FOS Franz- Oberthür- Schule. Sehr schöne Atmosphäre, nette Prüfer. Es war einfach eine super Zeit, die wir hier in der Monte hatten, auch wenn wir unwahrscheinlich viel gelernt haben und uns anstrengen mussten. Mit den Lehrern bin ich total zufrieden, sie waren unheimlich engagiert, wir haben uns teilweise auch mit ihnen in den Ferien getroffen". Marielena Hausmann: „ Zum Halbjahr hab ich noch ein bisschen gezweifelt, aber es ist dann doch alles anders gelaufen als ich es erwartet habe. Jetzt gehe ich auf die Würzburger Dolmetscherschule. Mache eine dreijährige Sprachenausbildung in Englisch und Spanisch." Jonathan Heinze: „Ich habe ja an der staatlichen FOS schon mal eine Ehrenrunde gedreht, da bin ich wegen Mathe durchgefallen und da hat mich in diesem Jahr das Ergebnis von Mathe positiv überrascht. Von der Atmosphäre war es hier eher freier und freundschaftlicher. Ich habe auf jeden Fall jetzt ein komisches Gefühl, ich habe fast ein schlechtes Gewissen weil ich glaube ich müsste noch was lernen. Aber es ist ja jetzt vorbei. Groß gefeiert habe ich nicht, ich bin nicht so ein Draufmachertyp, ich genieße das lieber." Jonas Obermeier: „Es ist ein ´Supergefühl, man realisiert es noch gar nicht so richtig. Es kommt einen dann erst noch, denke ich. Ich fühl mit fit fürs Leben. Jetzt mache ich ein freiwilliges Soziales Jahr und dann studiere ich. Was weiß ich noch nicht, deshalb das FSJ bei der Kinder- und Jugendhilfe in Würzburg Grombühl." Zum Foto: Der erste Abiturjahrgang der Montessori- Fachoberschule aus dem Kloster Oberzell.


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